[Kletterseminar 080828]

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Kletterseminar der Netzwerkinitiative STOPP TOKAT mit Polizisten und Kreuzberger Jugendlichen ...

Hätten Sie nicht auch einmal Lust, sich erfolgreich abzuseilen, frei in der Luft zu hängen, Natur pur zu genießen und jemanden dabei zu haben, auf den Sie sich voll verlassen können?

2008-08-26_00001_tnFünf Kreuzberger Kids und sechs Polizeibeamte der Dir 5 konnten dies drei Tage lang in der sächsischen Schweiz genießen. Die Netzwerkinitiative STOPP TOKAT hatte dieses außergewöhnliche Seminar arrangiert. Mitgewirkt hatten das Bezirksamt FhKb, die evangelische Kirche und die Polizei. Als Antwort auf teils gewaltsame Auseinandersetzungen im Wrangelkiez und in der Naunynstraße wurden bei runden Tischen fruchtbare Diskussionsrunden gehalten, die zu einer Entkrampfung der Situation führten. Die Netzwerkinitiative STOPP TOKAT gegen Raub und Gewalt in Kreuzberg setzte dem nun eins drauf: In der sächsischen Schweiz wurde ein Kletterseminar unter Leitung des Polizeipfarrers Reinhard Voigt durchgeführt. An wirklich sehr steilen Felsenwänden ging es für die Teilnehmer senkrecht nach oben. Gut gesichert vom klettererfahrenen Pfarrer und einem ehemaligen SEK-Beamten. Um erfolgreich den Berg hochzukraxeln bedurfte es anfangs einiger Überwindung. Mehr noch: Jeder war auf die Tipps und Hilfestellungen der anderen Teilnehmer angewiesen, musste Vertrauen entwickeln, dass das Seil straff und die Sicherungsknoten ordentlich verknüpft waren. Keine Selbstverständlichkeit, weder für die Polizisten noch für die Jugendlichen. Vertieft wurde das Ganze durch abendliche Gesprächsrunden und gemeinsames Essen. Während anfangs noch ungläubiges Staunen darüber herrschte, ob das wirklich ernst gemeint sei, solch steile Felsen zu erklimmen, wuchs mit gegenseitiger Unterstützung bei allen Teilnehmern das Vertrauen, auch das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Und siehe da: Selbst schwierigste Aufgaben waren nun auf einmal lösbar. Das Glücksgefühl, etwas Außergewöhnliches geschafft zu haben trat ein. Etwas, was man vorher sich selbst nicht wirklich zugetraut hat, nun doch hinzubekommen. Abgründe taten sich auf, bis zu 120m tief, wenn man es denn auf den Gipfel geschafft hatte und sich im Gipfelbuch eintragen konnte. Dann kam aber die eigentliche Mutprobe. Mit fast 20m „Luft unter dem Hintern“ hieß es nun, sich abzuseilen. Waagerecht in einer Felsenwand zu hängen, nur an einem Seil gesichert sich in einer Metallöse zu hängen und frei schwebend gen Boden zu gelangen wird nicht von jedermann als vergnügungssteuerpflichtig gesehen. Anfängliche Unsicherheit, bei Polizisten wie bei den Jugendlichen, wich zunehmender Abenteuerlust und die Endorphinausschüttungen waren für alle ein Erlebnis der besonderen Art. Natürlich erforderten die Kletterübungen volle Konzentration und auch einiges an Kraft und Geschicklichkeit. Die Polizisten konnten die Kids aber durchaus mit ihren körperlichen Fähigkeiten beeindrucken.
Abends ging es nach der Kletterei zur wohlverdienten Dusche und dem gemeinsamen Essen. Dem schlossen sich spannende Gesprächs- und Diskussionsrunden an. Die Kids nahmen kein Blatt vor den Mund, ihre Erlebnisse und auch Ängste im Umgang mit Polizisten darzustellen. Natürlich konnten auch unsere Kollegen authentisch berichten, wie respektlos und aggressiv sie vielfach auf der Straße behandelt werden. Dieser Austausch war mindestens so wertvoll, wie die gemeinsamen Erfahrungen in der Wand. Übrigens: Integration ist keine Einbahnstraße. Und so ließ es sich Pfarrer Voigt nicht nehmen, den Jugendlichen eine Kirche von innen zu zeigen und zu erläutern, was dort im christlichen Abendland passiert. In der Moschee waren die Polizisten nämlich schon.
Natürlich war sich die Netzwerkinitiative STOPP TOKAT nicht sicher, ob der angestrebte Dialog erfolgreich war, das aufeinander zugehen auch wirklich klappte. Nach drei Tagen ließ sich aber das Fazit ziehen: Experiment geklappt, zur Nachahmung empfohlen.

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