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Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe gestern in der U-Bahn einen Flyer von Ihnen erhalten. Grundsätzlich finde ich Ihre Aktion gut, aber ich war auch entsetzt über den Abschnitt "So sieht's aus". Ich frage mich warum explizit Straftäter mit Migrationshintergrund (zu mal es meist Berliner Jugendliche mit Migrationsgeschichte sind, da sie seit mehreren Generationen in Deutschland leben und somit gar keinen Migrationshintergrund mehr haben) aufgezählt werden, da die meisten von ihnen eine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und somit zu deutschen Jugendlichen gehören und nicht separiert werden sollten.
Außerdem stell ich mir die Frage, wo der Unterschied liegt, ob ich von deutschen Jugendlichen oder von deutschen Jugendlichen mit Migrationshintergrund abgezogen werden. Es bleibt eine Straftat und es ändern nichts daran, das mir etwas mit Gewalt entwendet wurde. Ich finde die explizite Aufzählung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund, verstärkt höchstens das negative Bild dieser Jugendlichen, das die Medien tagtäglich suggerieren und unterstützt die Spaltung Berliner Jugendlicher. Vielleicht sollte man noch einmal darüber nach denken was für Auswirkungen diese Trennung auf die Jugendlichen/Bevölkerung hat. Die permanenten negativen Fremdzuschreibungen, können nicht sehr hilfreich bei der Identitätsfindung der Jugendlichen sein und dies wiederum wirkt sich negativ auf ihre Entwicklung aus.
Mit freundlichen Grüßen ...
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Liebe ...
Ihre Kritik ist bei mir angekommen und ich kann Sie gut nachvollziehen. All zu oft wird ein Kriminalitätsproblem "ethnisiert" und das liegt nicht in unserer Absicht. Wir sind kriminologisch aber gut beraten und gehen mit dieser Aussage auch nicht leichtfertig um. Tatsächlich haben wir intensiv diskutiert, ob wir das auch so schreiben sollen. Tatsächlich ist es aber so, dass über 90% der Raubtäter in SO 36 einen Migrationshintergrund haben, selbst wenn man "Migrationshintergrund" eng auslegt. Wir wissen um die Deutungsmehrheit. Bitte bedenken Sie aber in diesem Zusammenhang auch, dass uns Türkiyemspor, Anadolu Umutspor, die Islamische Föderation, die Türkische Gemeinde zu Berlin und die Deutsch Arabische Unabhängige Gesellschaft aktiv auch in dieser Aktion mit den Flyer unterstützen. Es ist Ihnen wichtig für einen Bewusstseinswandel hinsichtlich der Raubtaten einen eigenen, aktiven Beitrag zu leisten und wir bei STOPP TOKAT sind besonders stolz darauf, dass wir für den integrativen Ansatz unserer Präventionsarbeit im letzten Jahr bereits den Präventionspreis des Landes Berlin gewonnen haben. Wir werden übrigens nie dafür gescholten, dass wir uns vor allem an die männlichen Mitglieder der Gesellschaft wenden. Auch da sind deutlich über 90% der Täterkreis. Mit Bilkay Öney und Özcan Mutlu als Mitglieder des Abgeordnetenhauses und der Fraktion B90/Grüne haben wir auch "deutsche Abgeordnete" mit “Migrationshintergrund” aus dem Abgeordnetenhaus als Unterstützter, die bei diesen Aktionen selbst mitmachen.
Nein, wir nehmen ihre Kritik nicht auf die leichte Schulter und ich danke Ihnen ausdrücklich für den Hinweis. Friede, Freude, Eierkuchen ist nicht zielführend und wir wollen nachhaltig dafür kämpfen, dass unsere kleinen "Testosteronvulkane" sich nicht ihre Zukunft durch das Begehen von schweren Straftaten wie Raub nachhaltig erschweren. Deswegen verstehe ich ihre "Kritik" durchaus als sinnvolle Anregung, sich nicht selbstgefällig zurück zu lehnen.
Herzlichen Dank dafür Gary Menzel
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